Collabora – so klappt die Zusammenarbeit im Online-Office von Nextcloud

Wer Nextcloud in Team nutzt, wird bald auf die Frage stoßen, ob und wie Dokumente mit mehreren Personen gleichzeitig bearbeitet werden können. Anlässe können beispielsweise sein:

  • Bisher komplizierte Abstimmungsverfahren per E-Mail sollen vereinfacht werden.
  • Bei Telefonkonferenzen sollen die Teilnehmenden live an einem Dokument oder einem Protokoll mitarbeiten oder zumindest mitlesen können.
  • Endgeräte wie Tablets, auf denen möglicherweise kein umfassendes Office-Paket vorhanden ist, sollen in Besprechungen produktiv genutzt werden.
  • Gestaltungsvarianten von z.B. Flyern oder Logos sollen diskutiert werden, die betreffenden Personen befinden sich aber an unterschiedlichen Orten.

Welche Lösungen bieten sich an? Neben den einfachen, aber funktional eingeschränkten Möglichkeiten von »Nextcloud Text« und Etherpad/Ethercalc bieten sich hier zwei vollwertige Online-Office-Lösungen an, die man in die Nextcloud einhängen kann. „Einhängen“ bedeutet, dass das Online-Office selbst auf einem separaten Server installiert ist und lediglich über eine Schnittstelle von der Nextcloud-Instanz angesprochen wird. Für die Nutzer*innen stellt diese Zusammenschaltung kein Hindernis dar, da das Online-Office innerhalb der Web-Oberfläche von Nextcloud angezeigt wird.

Die Menüleisten von Collabora Online-Office, integriert angezeigt in einer Nextcloud.

Online-Office: Welches nehmen?

Für Nextcloud stehen zwei Lösungen parat: OnlyOffice und Collabora. Die beiden Programme verfolgen leicht unterschiedliche Ansätze und haben daher auch unterschiedliche Stärken. OnlyOffice verlagert den Großteil der Rechenleistung auf den Client, was sich positiv auf die Reaktivität des Online-Office auswirkt. Bei Collabora führen ein stark belasteter Server oder eine schlechte Internetverbindung mitunter dazu, dass sich das Tippen träge anfühlt. Auch ist die Nutzeroberfläche von OnlyOffice etwas gefälliger gestaltet als beim eher spröden Collabora.

Technisch sieht die Sache aber anders aus: Besonders bei Import und Export von Dateien hat Collabora die Nase vorn, da es auf der sehr gut gepflegten Open-Source-Anwendung LibreOffice aufbaut. Der Einsatz von OnlyOffice birgt zudem weitere Unwägbarkeiten, weil die Endgeräte mehr Aufgaben übernehmen müssen. Dadurch sind die möglichen Fehlerquellen etwas breiter gestreut als dies beim zentralisierten Ansatz von Collabora der Fall ist.

Beide Lösungen stehen bis zu einer bestimmten Nutzungsgröße kostenfrei zur Verfügung. Darüber hinaus wird in den meisten Fällen ein Supportvertrag und Lizenzkosten fällig; für gemeinnützige Organisationen und Bildungseinrichtungen bieten beide Hersteller deutliche Preisnachlässe. Übrigens sind beide Online-Offices nicht auf Nextcloud als Datenmanager beschränkt: Auch Owncloud, Seafile, EGroupware und andere werden unterstützt. Der Einstieg fällt in OnlyOffice deutlich leichter als in Collabora, denn die Website von OnlyOffice ist deutlich besser strukturiert und mehr auf Service getrimmt. Man versteht klarer, welche Optionen zur Auswahl stehen.

Es ist wichtig, sich vor der Entscheidung das spätere Nutzungsszenario vor Augen zu führen. Soll das Online-Office das alleinige Werkzeug für alle Nutzer*innen werden oder ist der Einsatz lediglich ergänzend zu lokal installierten Office-Paketen geplant?

Wir haben uns aufgrund des Open-Source-Gedankens für Collabora Online-Office entschieden. Hinter Collabora steht eine britische Firma mit demselben Namen, die sich seit Jahren aktiv in die Entwicklung von LibreOffice einbringt.

Als Variante nutzen wir die kostenlose »Collabora Online Development Edition (CODE)«, da neue Funktionen hier sehr schnell zur Verfügung gestellt werden. Die Aktualisierungen erscheinen alle ein bis zwei Monate. Mit dieser Lösung können maximal 10 Dokumente gleichzeitig geöffnet werden, wobei dann wiederum bis zu 20 Personen parallel in den Dokumenten aktiv sein dürfen.

Der weitere Artikel bezieht sich auf CODE 4.0.5 und die dazugehörige Nextcloud-Erweiterung in Version 3.3.14.

Sobald man im Online-Office einige Augenblicke lang nichts tippt oder tut, wird der Bildschirm mit einem Hinweis auf die Inaktivität ausgegraut. Das hat zum Ziel die begrenzen Ressourcen des Servers anderen Nutzer*innen zur Verfügung zu stellen.

Wie läuft die konkrete Nutzung?

Sobald ein Collabora-Server in Nextcloud eingehängt wurde, ist die Nutzung für Endanwender*innen sehr einfach. Dokumente können direkt über die Web-Oberfläche bearbeitet und kommentiert werden – auch dasselbe Dokument zeitgleich von mehreren Personen. Das Online-Office zeigt dann mit kleinen „Namensfähnchen“ an, wo und von wem gerade geschrieben wird.

Folgende Anwendungen sind verfügbar:
• Textverarbeitung (odt, docx, doc)
• Tabellenkalkulation (ods, xlsx, xls)
• Präsentation (odp, pptx, ppt)

Bestehende Dokumente können aus der Nextcloud heraus über Anklicken des Dateinamens geöffnet werden. Das Anlegen neuer Dokumente funktioniert in der Ordner-Navigation oben beim Symbol [ + ] (siehe Bildschirmausschnitt mit den Schritten 1. und 2.). Die Einträge „Neues Dokument“, „Neue Tabelle“ und „Neue Präsentation“ beziehen sich auf das Online-Office. Standardmäßig werden neue Dokumente im freien OpenDocument-Standard angelegt, also als odt, ods und odp. Collabora/LibreOffice beherrscht jedoch auch andere Formate, wie z.B. CSV oder Microsoft-Office-Dateien.

Durch Ändern der Endung bei „Speichern als“ kann ein anderes Format gewählt werden. Was nicht funktioniert, ist das ledigliche Umbenennen der Dateiendung beim Anlegen innerhalb der Ordner-Navigation!

Vorsicht: Das Online-Office speichert Bearbeitungsstände nicht automatisch und warnt auch nicht beim Schließen von Dokumenten vor einem möglichen Datenverlust! Ungespeicherte Zustände werden als roter Punkt beim Disketten-Symbol (Speicher-Button) angezeigt. Bei mehreren gleichzeitigen Bearbeiter*innen genügt es, wenn eine Person speichert – der rote Punkt verschwindet daraufhin bei allen anderen Bearbeitenden ebenfalls.

Nextcloud übernimmt die Versionierung, d.h. Vorgängerversionen können wieder hergestellt werden. Mehrere gleichzeitige Bearbeiter*innen sehen ihren Cursor gegenseitig durch kleine Fähnchen. Unten rechts ist zudem ersichtlich, wer gerade am Dokument arbeitet. Wenn in Nextcloud ein Chat installiert ist, kann dieser optional offen bleiben und weiter unabhängig vom Office genutzt werden.

Die Zugangsberechtigung zu Office-Dateien erfolgt wie gewohnt über die Nextcloud-Freigaben. Daher können auch Personen ohne Cloud-Account mit am Dokument arbeiten.

Die Sprache der Benutzeroberfläche folgt automatisch der persönlichen Nextcloud-Einstellung. In Dokumenten, in denen es nicht so sehr auf Text ankommt (z.B. Berechnungstabellen, Präsentationsgestaltung), können so sogar Personen mit unterschiedlicher Sprache zusammenarbeiten. Rechtschreibprüfung und Thesaurus sind, abhängig von der Installation, für sehr viele Sprachen verfügbar. Die Sichtbarkeit der einzelnen Sprachen wird von der Serveradministration festgelegt. Weitere Sprachen können jederzeit zentral aktiviert und deaktiviert werden. Nicht nutzbar ist derzeit die in LibreOffice beliebte Extension zur Grammatikprüfung (LanguageTool).

Technischer Tipp: Zusätzliche Sprachen aktivieren

Falls CODE als fertiges Dockerfile installiert wurde, müssen die Sprachen für Rechtschreibung und Synonymwörterbuch/Thesaurus beim Dockerstart in zweistelligen Kürzeln übergeben werden. Wenn man bspw. die Sprachen Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch und Russisch aktivieren möchte, würde der Parameter so aussehen:
-e 'dictionaries=de en es fr ru'


Damit der Bildschirm etwas mehr Platz zum Arbeiten bietet, empfiehlt es sich entweder im Menü ANSICHT → VOLLBILD zu wählen oder die browser-eigene Vollbildansicht nutzen (meist erreichbar über Taste F11). Ebenfalls existiert im Online-Office eine Zoom-Funktion, um die Ansicht zu vergrößern bzw. zu verkleinern.

Wer Änderungen für späteres AKZEPTIEREN/ABLEHNEN sichtbar machen möchte, kann den Modus »Änderungen verfolgen« über BEARBEITEN → ÄNDERUNGEN VERFOLGEN → AUFZEICHNEN / ANZEIGEN ein- und ausschalten.

Natürlich werden Änderungen nur mitprotokolliert, während dieser Modus aktiv ist.

Kommentieren und auf Kommentare antworten ist ebenfalls möglich. Die Kommentarfunktion befindet sich in der Symbolleiste oben.

Im Menü EINFÜGEN finden sich »Bild« sowie »Lokales Bild«. Ersteres greift auf die Nextcloud als Quelle zu, Letzteres auf das lokale Gerät. Diagramme (Balken-, Säulen-, Kreis-, Flächen-, Netz-, Streu-, Blasen-, Kursdiagramme) können in der Textverarbeitung ganz normal erstellt und mit Datensätzen hinterlegt werden. Diagrammtypen können über die rechte Maustaste gewählt werden.

Copy & Paste funktioniert überall. Jedoch ist es hilfreich zu wissen, dass Browser hier unterschiedlich gut funktionieren (vor allem wenn die kopierten Inhalte aus unterschiedlichen Elementen zusammengestellt sind). Daher bietet Collabora auch per Mausklick dokumentenintern eine sicherere Kopier- und Einfügefunktion an.

Welche Einschränkungen bestehen im Vergleich zu einem lokal installierten LibreOffice?

Collabora Online hat trotz des LibreOffice-Unterbaus noch nicht denselben Funktionsstand erreicht wie ein lokal installiertes Programm. Während man in der Online-Version also Kollaborationsmöglichkeiten hinzubekommen hat, muss man sich mit ein paar anderen Einschränkungen arrangieren. Gerade Detaileinstellungen und Objekteigenschaften sind häufig noch sehr eingeschränkt konfigurierbar – z.B. fanden wir keinen Weg, die Farben von Formen (skalierbare Zeichnungsobjekte wie Blöcke, Pfeile, Sterne, Herzen usw.) anzupassen. Die folgende Auflistung ist daher auch nicht als abschließend zu verstehen, sondern soll die hauptsächlichen Unterschiede darlegen.

Besonders relevant ist die Frage nach Schriftarten: Hierbei ist zu beachten, dass nur die Schriften genutzt werden können, die auf dem Collabora-Server eingerichtet wurden. Lokal auf dem Endgerät installierte Schriftarten sind für das Online-Office unerheblich. Daher müssen alle Schriften, die für die Nutzer*innen zur Verfügung stehen sollen, vorher einmal zusammengestellt und integriert werden. Dabei ist zu beachten, dass möglicherweise beliebte Desktop-Schriftarten keine Lizenz für die Online-Nutzung mitbringen. Eine mögliche Lösung ist hier auf die mittlerweile unerschöpfliche Quelle hochwertiger, freier Schriften auszuweichen. Eine hervorragende Übersicht hierfür erhält man hierfür z.B. bei Google Fonts (https://fonts.google.com/). Einige der freien Schriftarten sind auch als Ersatz für proprietäre Fonts entwickelt worden.

Technischer Tipp: Zusätzliche Schriften einbinden

Falls CODE als fertiges Dockerfile installiert wurde, muss der Ablageort der zusätzlichen Schriften beim Dockerstart mit übergeben werden. Leider dokumentieren die offiziellen Informationsquellen bisher nicht gut, wie das geht. Wenn man die Schriftarten im Pfad /usr/local/share/fonts/truetype/ abgelegt hat, dann muss der Docker-Startbefehl um folgenden Parameter ergänzt werden: --volume "/usr/local/share/fonts/truetype/:/opt/collaboraoffice6.0/share/fonts/truetype/local/:ro"


Im Online-Office ist das Äquivalent zu LibreOffice Draw noch nicht verfügbar. Vektorzeichnungen (ODW, SVG) können als eigenständige Dokumente bisher nur angesehen und zu PDF konvertiert werden. Vorhandene PDFs können ebenfalls noch nicht weiter bearbeitet werden.

Kennwortgeschützte Dokumente lassen sich öffnen und weiter geschützt speichern, aber nicht neu anlegen (getestet mit ODT). Auch generelle Dateieigenschaften (Autor*in, Schlagworte etc) lassen sich nicht anzeigen oder bearbeiten.

Es ist noch keine Unterstützung für Serienbriefe / Etiketten integriert. Zwar ist die Integration des Online-Office in die allgemeine Nextcloud-Dateiverwaltung sehr gut gelungen, jedoch wäre es besonders wünschenswert, wenn auch der Zugriff auf Nextcloud-Kontakte oder Kalender mit Feldbefehlen möglich würde. Bisher ist das noch Zukunftsmusik. Die bisherige Einbindungsmöglichkeit von „Bereichen“ aus anderen Dokumentquellen z.B. mittels DDE-Befehlen haben wir nicht getestet, da diese Option für den Alltagseinsatz zu sperrig und wenig intuitiv erschien.

Bisher scheint es noch keine Möglichkeit zu geben, Extensions aus LibreOffice einzusetzen. Dies ist besonders wegen der damit fehlenden Grammatikprüfung bedauerlich. Obwohl »LanguageTool« auch als Browser-Erweiterung für Firefox und Chrome entwickelt wird, haben wir keinen Weg gefunden diese Grammatikprüfung dann auch im Online-Office zu nutzen.

Serverlast kontrollieren: Auswirkungen auf Datenschutz und Privatsphäre

Bei Installationsbeschreibungen zu CODE findet man wenig konkrete Informationen dazu, wie stark ein Server sein muss, um das Online-Office für eine Nextcloud zur Verfügung zu stellen. Angaben können hier immer nur ungefähre Schätzungen sein, da der Ressourcenbedarf von der Komplexität der zu bearbeitenden Dokumente abhängt. Als Server für CODE setzen wir einen vServer mit 2 CPU und 8 GB RAM ein. Bei einer zu erwartenden stärkeren Nutzung erweitern wir den vServer jedoch tageweise um weitere Rechenkerne.

Um die tatsächliche Last besser überprüfen zu können, bringt Collabora/CODE ein eigenes Werkzeug mit: Es existiert ein eigenständiger, passwortgeschützter Admin-Zugang (separiert von der Nextcloud-Administration), der für Wartungszwecke vor allem die Prozessorlast und Speicherauslastung anzeigt.

Dort ist allerdings auch einsehbar, welche Nutzer*innen gerade im Online-Office aktiv sind und wie die Namen der aktuell geöffneten Dokumente lauten. Die Dokumente selbst sind nicht einsehbar. Dennoch sollte dies bei der Nutzung den Bearbeiter*innen bewusst sein. Dokumententitel wie „Bewerbungsschreiben neuer Job bei XYZ.doc“ oder „Liebesbrief an ABC.odt“ verraten dann möglicherweise private Dinge.

Technischer Tipp: Zugang zur Lastanzeige schützen

Falls CODE als fertiges Dockerfile installiert wurde, kann beim Start ein Nutzername und Passwort für das Administrationswerkzeug übergeben werden. Der Parameter hierfür lautet:
-e "username=xxxxxxxxx" -e "password=xxxxxxxxx"

Das Admin-Panel ist dann erreichbar über
https://EUREDOMAIN.END/loleaflet/dist/admin/admin.html

Unser Fazit: Sehr alltagstauglich, erfreuliche Zukunftsperspektive

Es ist erstaunlich, welche Funktionalität man dank Collabora Online-Office und Nextcloud mit einem selbst gewählten Serversetting aufbauen kann. Zwar fehlen Collabora noch einige Funktionen eines vollständigen Office-Pakets, aber es ist bereits heute sehr alltagstauglich für die Zusammenarbeit in Teams. Neue Versionen von CODE erscheinen beinahe monatlich und auch die Integration in Nextcloud wird parallel dazu ständig weiter entwickelt.

Etwas schwierig gestaltet sich unserer Erfahrung nach die Supportfrage für Organisationen, die im Bereich bis 50 parallele Nutzer*innen planen und bereits eine Nextcloud betreiben. Hier sollte Collabora als Hersteller noch nachbessern, um potenzielle Kunden besser zu den zur Verfügung stehenden Lösungen oder zu Partnern zu vermitteln.

Was sind eure Erfahrungen mit selbst eingerichteten Online-Offices und insbesondere Collabora? Wir freuen uns über Feedback!

Nextcloud Text: Ein Etherpad-Ersatz für alle?

Ende Juni wurde der quelloffene, kollaborative Texteditor »Text« von Nextcloud veröffentlicht. Das erklärte Ziel der Nextcloud-Entwickler*innen ist es, einen Rich-Text-Editor für die produktive Zusammenarbeit zur Verfügung zu stellen. Eine gute Gelegenheit also, diesen Texteditor mit den bereits etablierten Etherpads zu vergleichen.

Wir vergleichen im Folgenden die jeweils aktuelle Version Nextcloud Text 1.0.1 mit Etherpad lite 1.7.5.

Los geht’s!

Um Nextcloud Text (Grafik links) zu nutzen, muss erst eine Textdatei (.txt) oder ein Text-Dokument (Markdown) angelegt werden. Bei Etherpads macht es hingegen keinen Unterschied, ob man ein neues Textpad anlegen oder einem bestehenden Pad beitreten möchte.

Etherpad – komfortabel bei der Nutzung, aber aufwändige Servereinrichtung

Seit mehreren Jahren bieten Etherpads eine sehr komfortable Möglichkeit kollaborativ Texte zu verfassen. Wir betreiben im Rahmen des Projekts jugend.beteiligen.jetzt den öffentlichen Etherpad-Server yourpart.eu, der allen Interessierten sofort kostenfrei zur Verfügung steht. Mehr als einen Browser benötigt ihr nicht, um sofort loszulegen.

Es stehen einige Formatierungsmöglichkeiten zur Verfügung, u.a. verschiedene Schriftgrößen, Fettung, Kursiv, Unterstreichung, Einrückung und Aufzählungsvarianten. Tabellen oder Grafik-Einfügung sind standardmäßig nicht vorgesehen.

Wenn mehrere Personen an einem Dokument arbeiten, wird die Bearbeitung im Etherpad sehr klar angezeigt: Textbeiträge von jeder Person sind farblich anders unterlegt; zusätzlich steht ein Chatfenster zum Austausch bereit. Erstellte Texte lassen sich über Exportfilter für andere Zwecke weiter verarbeiten. Der Funktionsumfang hängt hier jedoch davon ab, welche Zusatzpakete installiert wurden (z.B. AbiWord oder LibreOffice für die Filter).

Ältere Textversionen lassen sich jederzeit wieder herstellen, indem ein Uhrensymbol für den „Bearbeitungsverlauf“ (engl. time slider) angeklickt wird. Hier kann über einen Schieberegler jede Bearbeitung zurückverfolgt werden. Besondere Versionsstände können durch ein Sternchen favorisiert werden. Wen die unterschiedlichen Farben der Autor*innen stören, kann den aktuellen Stand auf neutral setzen.

Bei Etherpads lässt sich anhand von Farbhinterlegungen leicht verfolgen, welche Textteile von welcher Person bearbeitet wurden. Ein einfacher Chat, der rechts unten eingeblendet wird, erlaubt Diskussionen.

Der sehr einfachen und spontanen Nutzung von Etherpads steht eine recht aufwändige Einrichtung des Servers entgegen. Ein bestehendes Webhosting-Paket als Serverbasis ist leider nicht ausreichend. Die diversen Erweiterungsmodule von Etherpad sind unterschiedlicher Qualität und nicht selten findet man sich beim Einrichten mit einem lahmgelegten Server wieder.

Wenn man öffentliche Etherpad-Server nutzt, stehen zudem meist keine oder nur eingeschränkte Möglichkeiten zur Verfügung, um die einmal veröffentlichten Texte wieder zu entfernen. Hierzu muss dann entweder der Serverbetreiber kontaktiert werden oder man nutzt bei yourpart.eu das automatische Vergessen nach 30 Tagen Inaktivität. Ein Login-System steht meist nicht zur Verfügung. Für Texte mit personenbezogenen Daten sind Etherpads daher eher nicht geeignet.

Mehr erfahren: https://etherpad.org

Exkurs: Warum kein Online-Office?

Für eine kollaborative Dokumentenbearbeitung böten sich bekannte Online-Office-Produkte natürlich besonders an. Auch sie können über den Browser genutzt werden. Der Funktionsumfang nähert sich zunehmend lokal installierten Office-Paketen an. Im Rahmen dieses Artikels lassen wir diese Lösungen bewusst außen vor:

  • Die Funktionsvielfalt von Online-Office-Lösungen stellt häufig einen absoluten „Overkill“ dar, wenn man nur gemeinsam kreativ sein und kurzfristig Texte entwickeln möchte.
  • Bei den großen kommerziellen Anbietern wie Google oder Microsoft wären zuerst die Fragen der Datenerhebung und -verarbeitung zu klären (z.B. Kritik von Datenschutzbeauftragten wie hier oder hier zu Office 365).
  • Lösungen wie Collabora Online-Office oder OnlyOffice, die auf einem eigenen Server installiert werden können, sind wiederum in der Anzahl der kostenfreien Nutzer*innen eingeschränkt.

Der Newcomer: Nextcloud Text

Das Open-Source-Projekt »Nextcloud« ist ursprünglich als quelloffene und kostenfreie Software zum Dateiaustausch gestartet. Zur Selbstinstallation ist Nextcloud sehr genügsam und läuft bereits auf günstig mietbaren Webhosting-Paketen (mit PHP und einer SQL-Variante). Im Laufe der Zeit erhielt Nextcloud mehr und mehr Groupware-Funktionalität. Die meisten Erweiterungen (sogenannte „Apps”) lassen sich über eine Ein-Klick-Installation hinzufügen. Eine dieser Erweiterungen ist der neue Editor »Text«. Unter Nextcloud 16 ist die Einrichtung in wenigen Sekunden erledigt. In der kommenden Nextcloud-Version 17 wird »Text« sogar standardmäßig enthalten sein.

Die Nutzeroberfläche von »Text« ist bewusst schlicht und aufgeräumt gehalten, damit man sich auf die eigentliche kreative Textarbeit konzentrieren kann. Wie der Name schon vermuten lässt, werden Dateien im Textformat verarbeitet. Dabei können sowohl einfache .txt-Dateien wie auch umfangreich gestaltete Markdown-Dateien (Endung .md) genutzt werden. Dabei stehen dann dieselben Formatierungsmöglichkeiten zur Verfügung wie beim Standard-Etherpad: Von Fettung, Kursiv bis hin zu Überschriftstypen, Aufzählungen oder Einrückungen. Je nach Dateiendung .txt oder .md wechselt »Text« den Darstellungsmodus und blendet die Formatierungsbuttons aus oder ein. Einen Umschalter auf die direkte Bearbeitung von Markdown (also ohne grafische Darstellung) scheint es aber noch nicht zu geben.

Zusätzlich können Grafiken/Fotos eingebunden werden, eine Funktion die den Etherpads fehlt. Hierzu bietet »Text« einen komfortablen Auswahldialog zu den Dateien in der Nextcloud an. Grafiken aus anderen Internetquellen können per Drag & Drop einfach ins Dokument hineingezogen werden. Grundsätzlich muss man allerdings beachten, dass das Dokument – egal aus welcher Quelle die Grafiken eingefügt wurden – natürlich nur den Link speichert und nicht die Bilddatei selbst. Das kann bei Bildmaterial aus zugangsbeschränkten Quellen dazu führen, dass nicht alle Mitschreibenden auch tatsächlich alle Bildinformationen sehen können. Zudem sind eingebettete Bilder (derzeit) nicht in ihrer Darstellung veränderbar – das Original muss also schon die richtige Größe und Orientierung haben.

Vermisst haben wir eine visuelle Unterscheidung bzgl der Textautor*innen. Gerade bei einem auf Kollaboration abzielenden Texteditor wäre es ungemein praktisch zu sehen, an welchen Stellen die Mitschreibenden etwas ergänzt oder verändert haben. Auch ist die Textsynchronisation zwischen mehreren Nutzer*innen mitunter etwas schwerfälliger als dies bei einem gemeinsamen Etherpad der Fall ist.

Dank der Nextcloud-Versionierung lassen sich frühere Versionen wieder herstellen. Allerdings ist dies nicht ganz so komfortabel wie der Zeitschieber in Etherpads: Nextcloud entscheidet mehr oder weniger automatisiert, welche Zwischenstände vorgehalten werden.

Selbstverständlich nutzt die App den Unicode-Zeichensatz mit UTF-8-Formatierung. Das bedeutet konkret, dass auch Emojis und andere Schriftsysteme in unseren Tests keine Hürde darstellen. Aus Websites kopierte Tabellen waren häufig noch originalgetreu(er) dargestellt als beim Etherpad, bei dem aus den Tabellen meist eine Art Fließtext-Schlauch wurde.

Tipp: In unseren Installationen haben wir uns dafür entschieden, den bisherigen nicht-kollaborativen Texteditor (ungenutzt) installiert zu lassen, damit Nextcloud als Option zur Dateierstellung nach wie vor „Neue Textdatei“ anzeigt (für .txt). Der neue Editor bietet nämlich standardmäßig nur „Neues Text-Dokument“ an, was dann ggf. erst von .md in .txt umbenannt werden muss. Dies ist für Nutzende eher umständlich. Markdown selbst bietet Potenzial für komplexere Gestaltung, jedoch ist das Format bei durchschnittlichen Nutzer*innen wohl noch weniger bekannt.

Wer Nextcloud in föderierten Kontexten verwendet, sollte daran denken, dass gleichzeitige Textbearbeitung nur dann funktioniert, wenn alle Beteiligten in derselben Nextcloud-Instanz aktiv sind.

»Text« befindet sich noch in einem recht jungen Entwicklungsstadium. Dennoch läuft es bereits stabil und tut zuverlässig seinen Dienst. Die vermutlich stärksten Argumente für Nextcloud Text sind die sehr viel einfachere Inbetriebnahme eines eigenen Servers und die umfangreiche Möglichkeit, unterschiedliche Zugangsrechte pro Dokument zu vergeben. Dies kann von reinem Mitlesen bis hin zum Erstellen und Löschen von Dokumenten reichen, sowohl eingeloggt wie auch mit anonymen Teilnehmenden.

Mehr erfahren: https://apps.nextcloud.com/apps/text

Unser Fazit

Die Etherpad-Software wird seit vielen Jahren entwickelt und ist durch die farbliche Hervorhebung der unterschiedlichen Autorenschaft, der Stabilität bei vielen gleichzeitigen Nutzer*innen, einen gut erreichbaren Chat und die vielfältigeren Exportmöglichkeiten besser auf Kollaboration eingerichtet als Nextcloud Text. Dennoch bringt »Text« nicht zu unterschätzende Vorteile mit sich: Frei definierbare Nutzerrechte, einen sehr viel einfacheren Eigenbetrieb, Umgang mit Grafiken und nicht zuletzt die unglaublich aktive und hilfsbereite Nextcloud-Community. Wer Texte nicht-öffentlich erstellen und verwalten möchte, wird mit Nextcloud Text wahrscheinlich glücklicher als mit Etherpads.

Vorteile von Etherpads

  • Jede*r kann ohne Vorbereitung sofort mitmachen. (Diverse öffentliche Server stehen zur Verfügung.)
  • Die Autorenschaft der Textteile ist durch farbliche Hinterlegung unterscheidbar und bei der parallelen Bearbeitung dadurch aus schneller zu verstehen.
  • Mit dem Zeitschieber kann jeder Zustand wieder hergestellt werden.
  • Zeilennummerierung, um bei längeren Dokumenten schnell die richtige Textstelle wieder zu finden.
  • Vielfältige Import- und Exportfunktionen installierbar.
  • Chat etwas intuitiver als in Nextcloud erreichbar (allerdings auch funktional eingeschränkter).

Vorteile von Nextcloud Text

  • Zugriffsrechte können bewusst gesetzt werden, daher auch für Dokumente mit personenbezogenen Daten geeignet.
  • Ein eigener Nextcloud-Server ist viel einfacher aufzusetzen und kostengünstiger zu betreiben als ein Etherpad-Server.
  • Ablenkungsfreies Schreiben (die Nutzeroberfläche ist bewusst sehr zurückhaltend gestaltet).
  • Intuitives Einfügen von Bildern.
  • Markdown erlaubt auch komplexere Formatierungen.
  • Texte können sehr einfach auch wieder komplett gelöscht werden.

Wechange-Tutorials für »Fridays for Future« und alle anderen

Screenshots der Erklärvideos
Felix Englisch | Wechange.de

Die genossenschaftliche entwickelte Plattform WECHANGE.de wendet sich insbesonderen an Aktive in Nachhaltigkeitsprojekten und andere gesellschaftlich engagierte Initiativen. Felix Englisch hat nun eine Tutorial-Sammlung zu WECHANGE.de speziell für »Fridays for Future« auf Youtube zusammengestellt. Die Erklärvideos führen durch alle Funktionen der Plattform und erklären auch ein paar Hintergründe. Definitiv nicht nur für F4F interessant!

Weitere Infos gibt’s hier:
wechange.de/group/forum/note/wechange-tutorials-fur-fridays-for-future-und/

WECHANGE – Projekte organisieren, sichtbar machen und vernetzen

Wir haben hier schon gelegentlich über die genossenschaftlich entwickelte Plattform WECHANGE berichtet, mit der wir loser Kooperation zusammenarbeiten. Da sich immer häufiger Jugendgruppen und Projekte nach einer Möglichkeit umsehen, über die sie sich vernetzen und organisieren können, möchten wir euch die Ideen und Funktionen von WECHANGE heute ein wenig ausführlicher vorstellen. Da sich die Plattform ständig weiter entwickelt, haben wir einen Experten des Projekts gefragt: Wir danken Markus Kollotzek von WECHANGE für die Zusammenstellung der Informationen und das Beantworten unserer Fragen.

Ihr sucht einen digitalen Ort für euer Projekt und wollt dabei nicht auf Facebook, Google & Co. angewiesen sein? WECHANGE bietet euch eine Onlineplattform für Projektorganisation, bessere Sichtbarkeit und Vernetzung mit anderen Projekten. Was anfangs als Kooperation mehrerer unabhängiger Organisationen entstand, ist mittlerweile als offene Plattform gerade für Träger und Gruppen mit Verortung in bürgerschaftlichem Engagement interessant.

Für wen ist WECHANGE geeignet?

Menschen, die etwas auf dieser Welt bewegen wollen – sei es in Form einer kleinen Initiative oder einer großen Organisation. Über WECHANGE organisieren sich bereits verschiedene Projektgruppen (bspw. lokale Foodsharing-, Transition-Town- und Gemeinwohlökonomie-Gruppen). Und auch ganze Netzwerke nutzen WECHANGE, bspw. der Deutsch-Russische Jugendaustausch (DRJA).

Die Plattform ist zur Zeit auf Deutsch, Englisch, Französisch, Polnisch, Russisch und Ukrainisch verfügbar. Sie kann sowohl direkt über WECHANGE.de wie auch als eigenständiges Portal mit eigener Adresse genutzt werden.

Die Plattform ist nutzbar für

  • Einzelne Engagierte
    • als digitale Dateiablage, Kalender, Linksammlung, etc. über ein Projekt
    • zur Suche und Vernetzung im Forum und über die Karte
  • Projekt-Arbeitsgruppen /Initiativen
    • Online-Zusammenarbeit in einem digitalen Arbeitsbereich (Projekt)
    • Projektdarstellung mit einer Microsite (wenn ihr also keine große Website selbst aufsetzen könnt oder wollt)
  • Als Intranet-Lösung für Organisationen
    • zur Organisation von Projekten und projektübergreifenden Gruppen
    • zur Kommunikation in die Organisation und nach Außen (Projektdarstellung, Forum, Website, Landingpage, Karte mit Projekt- und Schlagwortsuche
    • eigene Website, angepasstes Design, eigene Community

Was bietet WECHANGE?

Teams finden sich in Projekten zusammen. Gibt es eine Organisation, in der mehrere Projekte parallel laufen, kann diese eine „Gruppe“ eröffnen und die zugehörigen Projekte so zusammenfassen.

Die Landkarte von WECHANGE mit Filtermöglichkeiten je nach Interessenlage

Innerhalb der Projekte gibt es – erreichbar über ein Projekt-Dashboard – folgende Funktionsbereiche:

  • Dateien – hier können Dateien hochgeladen und in einer Ordnerstruktur organisiert werden
  • Dokumente – hier können beliebig viele Etherpads (s. a. https://jugend.beteiligen.jetzt/werkzeuge/tools/yourpart) und EtherCalcs erstellt und in einer Ordnerstruktur organisiert werden
  • Veranstaltungen – in einem Kalender können Veranstaltungen eingetragen werden
  • Aufgaben – es können Aufgaben erstellt und Projektmitgliedern zugeordnet und dokumentiert werden
  • Umfragen – Unterstützung im Bereich Entscheidungsfindung, Terminfindung
  • Neuigkeiten – ähnlich wie die Pinnwand bei Facebook können aktuelle Nachrichten veröffentlicht und dort diskutiert werden

Projektübergreifende Funktionen:

  • Nachrichten – es können Nachrichten an eine oder mehrere Personen oder Projekte versendet werden
  • Karte – es gibt eine Karte, auf der nach Personen, Veranstaltungen, Gruppen und Veranstaltungen gefiltert werden kann
  • Suche – in einer Suchfunktion werden alle für eineN NutzerIn sichtbaren Inhalte durchsucht

Für Fragen aller Art stehen eine Online-Hilfe sowie einige Tutorial-Videos zur Verfügung. Bei technischen Problemen hilft ein Supportteam. Organisationen können für ihren Bereich eigene Support-Beauftragte benennen.

Im Forum können sich Nutzer*innen austauschen und Ankündigungen veröffentlichen

Genossenschaftlich entwickelt… und betrieben

Die WECHANGE-Genossenschaft entstand vor einigen Jahren als ein gemeinschaftliches Projekt verschiedenster Akteure aus dem Feld des sozialökologischen Wandels. Die Plattform sollte dazu dienen, Ideen auszutauschen, Abstimmungen zu treffen, aber auch Dateien sicher zu lagern und Dokumente im Netz miteinander teilen, gleichzeitig bearbeiten und einsehen zu können.

Es sollte aber nicht „irgendein” Internet-Tool sein, sondern etwas, das zur Einstellung der zukunftigen Gründer*innen passte: fair, sicher und gemeinwohlorientiert. Die erste Version wurde 2014 ins Leben gerufen, seit 2016 ist WECHANGE als Genossenschaft registriert und um viele Erfahrungen, gemeisterte Herausforderungen reicher. Die Mitstreiter*innen stehen dabei nach wie vor voll hinter dem Konzept der Plattform von allen für alle.

Ende 2018 waren bei WECHANGE mehr als 25.000 Nutzer*innen registriert, die sich in über 3.000 Projekten und 300 Gruppen organisieren.

Die Nutzung von WECHANGE auf Projektebene ist frei und kostenlos zugänglich. Sobald es den Bedarf gibt, mehrere Projekte zu gruppieren, lässt sich eine kostenpflichtige aber günstige Gruppe einrichten.

WECHANGE setzt höchste Datenschutzanforderungen um; die mit grünem Strom betriebenen Server stehen in Deutschland. Da es sich um eine Open-Source-Lösung handelt, kann man sich den Quellcode herunterladen und einen eigenen WECHANGE-Server installieren.

Es gibt auch die Möglichkeit, dass WECHANGE die Installation und Wartung für eine Organisation übernimmt. In so einem Fall kann das Entwickler*innen-Team auch spezifische Anforderungen umsetzen. Erweiterungen können zudem wieder ins Gemeinschaftsprojekt zurückfließen und kommen so allen WECHANGE-Nutzer*innen zugute.

WECHANGE unterscheidet sich von klassischen Plattformanbietern dadurch, dass keine kommerziellen Interessen verfolgt werden. Das macht sich auch durch die Rechtsform bemerkbar – eine Genossenschaft. Anstatt sich auf Risikokapital zu verlassen und sich somit zu ständig schnellerem Wachstum zu zwingen, setzt WECHANGE auf Mitgestaltung und nachhaltige Finanzierungsmodelle.

Technische Details und Lizenz

WECHANGE ist Open Source und wurde unter der Affero General Public License (AGPL) veröffentlicht. Die Plattform verfügt über Schnittstellen, wie z.B. die Ausgabe der Veranstaltungskalender als iCal.

Kontakt

WECHANGE eG | c/o Thinkfarm | Oberlandstraße. 26-35 | 12099 Berlin

Mail: support@wechange.de | Tel.: mittwochs 11-16h 030 / 54 90 99 90

Nextcloud: Was passiert mit Dateien, wenn ein Nutzeraccount gelöscht wird?

Nextcloud ist eine freie Software zum Teilen und gemeinsamen Bearbeiten von Dateien, Terminen, Aufgaben, zum Chatten, Videokonferieren, Zusammenarbeiten und Vielem mehr. Nextcloud skaliert dabei von kleinen Teams bis vielen tausenden Nutzer*innen – und bereits auf recht einfachen Webhosting-Paketen können kleine Organisationen und Teams schon sehr gut zusammenarbeiten. Der eigene Nextcloud-Server kann dabei hervorragend mit weiteren Nextclouds, Ownclouds und anderen interagieren: Die Vernetzung über den eigenen „Serverrand“ ist also schon mitgedacht.

Meine Daten gehören mir! Der empowernde Ansatz von Nextcloud

Nextcloud und ihr Quasi-Vorfahre ownCloud sind aus dem Gedanken entstanden, dass Nutzer*innen die Herrschaft über ihre Daten behalten sollten. Bei großen kommerziellen Anbietern werden Daten in irgendeinem Datenzentrum gespeichert (und man hat keinen Einfluss darauf wo genau das ist). Bei Nextcloud ist das anders: Man entscheidet selbst, ob man »die Cloud« bei sich zu Hause installiert oder irgendwo anders.

Dateien in Nextcloud können auf vielfältige Art freigegeben und geteilt werden: persönlich, öffentlich, Cloud-übergreifend; mit und ohne Schreibberechtigung, Ablaufdatum, Schlagwörtern und Erklärnotizen. Im Bildschirmausschnitt ein paar der Möglichkeiten.

Teams arbeiten zusammen, aber nicht für immer

Teams sind nicht beständig – mal kommen neue Personen hinzu, mal steigen Akteure wieder aus. Was bedeutet das für die Zusammenarbeit auf Basis der Nextcloud? Wenn neue Personen hinzukommen, dann ist die Sache meist recht einfach: Man holt sie neu in Gruppen (systemzentral eingerichtete Gruppen) oder Kreise (von Personen gestartete Gruppen) hinzu oder teilt ganz individuell die relevanten Dateien. Problematisch ist jedoch, wenn Personen aus einem Team aussteigen. Hier herrscht unserer Erfahrung nach viel Unsicherheit über die Daten, die in der gemeinsamen Zeit entstanden sind.

Was passiert mit Dateien, wenn ein Nutzeraccount entfernt wird?

Bildschirmdialog Nutzer entfernen

Nutzeraccounts in Nextcloud können entweder deaktiviert oder ganz gelöscht werden.

Wir haben nachgeforscht und stellen euch hier die verschiedenen Varianten vor. Grundsätzlich ist es so, dass Nutzeraccounts deaktiviert oder ganz gelöscht werden können. „Deaktiviert“ bedeutet, dass sich diese Person nicht mehr einloggen kann, die erstellten Dateien aber noch vorhanden sind – also auch für alle, mit denen etwas geteilt oder gemeinsam erstellt wurde.

Ob Daten für Teampartner*innen noch vorhanden sind, wenn ein Account komplett gelöscht wird, ist abhängig vom Speicherort.

1. Persönlich erstellte Dateien der Person: werden mit Nutzeraccount gelöscht.

2. Persönlich erstellte Dateien, die mit anderen Personen geteilt wurden: sind mit Löschung des Nutzeraccounts ebenfalls für die anderen Personen nicht mehr vorhanden.

3. Persönlich erstellte Dateien, mit anderen geteilt und von diesen bereits bearbeitet: Hier überwiegt ebenfalls, wer die Datei angelegt hat – und somit werden diese Dateien inkl. aller Bearbeitungen beim Löschen des Ursprungs-Nutzeraccounts ebenfalls gelöscht.

4. Persönlich erstellte Dateien, in einem Ordner gespeichert, der von jemandem Anderen erstellt und mit mir geteilt wurde: Hier überwiegt der Ursprung des Ordners – wenn von jemandem Anderen erstellt (und mit dem zu löschenden Account geteilt), dann bleiben die Dateien bestehen.

5. Persönlich erstellte Dateien, in einem Gruppenordner gespeichert: Auch ein Gruppenordner wurde von jemand Anderes erstellt (nämlich dem System) und daher bleiben hier erstellte Dateien unabhängig von den Personen, die die Dateien erstellt oder bearbeitet haben, bestehen.

Was also tun, wenn euch ein*e Kolleg*in verlässt?

Falls sich bei euch Fall 2 oder 3 als Problem andeutet, könnt ihr dem Verlust von Daten vorbeugen: Jemand, mit dem/der die Dateien geteilt wurden, kann sie herunterladen und dann neu (als eigene Dateien oder in einem Gruppenordner) wieder hochladen. Dieser Weg erscheint möglicherweise nicht als bequem, aber ist als kleiner Handel für den höheren Schutz der eigenen Daten durchaus zu verschmerzen.

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Wir haben diese Zusammenstellung mit der aktuellsten Nextcloud-Version 14.0.3 getestet. Wen ihr andere Erfahrungen in Nextcloud-Erweiterungen (die „Apps“) gemacht habt, kommentiert und ergänzt gerne!

Datenschutzfreundliche Alternativen zu Facebook & Co

[Update 18.07.2018: Abschnitt zu Humhub sowie Details zu anderen Plattformen ergänzt.]

Nicht erst seit den beiden jüngsten Datenskandalen rund um Facebook (Stichwort „Cambridge Analytica“, sowie Sammlung von SMS- und Anrufdaten) überlegen sich Viele, was eigentlich mit den eigenen Fotos, Nachrichten und „Gefällt mir“-Bewertungen passiert, nachdem sie einmal ins Netz gelangt sind. Eine Kontrolle darüber, wer auf Seiten der Dienstebetreiber private Nachrichten mitliest, ist aus Nutzersicht nicht möglich (s. z.B. „Microsoft liest heimlich Skype-Chats mit”). Ob Daten je wieder gelöscht werden können, scheint unsicher („Dropbox gesteht jahrelange Speicherung gelöschter Dateien“, „Facebook does not erase user-deleted content“).

Oft ist auch die Abgrenzung zwischen Komfortfunktionen und Datenausspähung nicht so einfach vorzunehmen. Wer will schon alle Freunde einzeln mit Telefonnummer, Profilbild, E-Mail-Adresse und Messenger-ID ins Smartphone eintippen, wenn die Übertragung auch automatisiert vonstatten gehen kann?

Eine Sache ist also klar: Ganz ohne Datenweitergabe sind öffentlicher Austausch und private Kommunikation nicht machbar. Aber es gibt Möglichkeiten, zumindest die Datenpreisgabe ein wenig einzudämmen.

Symbolbild zum Artikel (Foto: Marvin Meyer | Unsplash.com)

Die dezentrale Gemeinschaft: Eine „Föderation“ im sozialen Netzwerk

Seit mehreren Jahren versuchen verschiedene Entwickler_innen, eine solide Basis für soziale Netzwerke zu erfinden, die Werkzeuge zum Teilen von Inhalten mit dem Bedürfnis für Privatheit in Einklang bringen. Das soll vor allem dadurch gelingen, dass man die Hoheit über die eigenen Daten am besten gar nicht hergibt. Stattdessen könnte ein eigener Server aufgesetzt werden, der wiederum das eigene soziale Netzwerk beherbergt. Dabei gibt es natürlich die Auswahl zwischen „selbst hosten oder mitbenutzen“.

Dieser Lösungsansatz alleine würde natürlich zu kurz greifen: Wenn jede_r nur den eigenen Server bedient, wie wäre dann ein Austausch von Bildern und Nachrichten möglich? Die Antwort ist, dass sich Server verbinden lassen, über eine sogenannte „Föderation“. Als Nutzer_in muss ich mich dabei nur insoweit umgewöhnen, dass ich die Freunde nicht nur über den Namen, sondern mit einer Kennung ähnlich einer E-Mail-Adresse finde. Das Format wirkt vertraut und ist auch für Neulinge eingängig: name@server – und schon ist man in Kontakt (vorausgesetzt man wurde nicht geblockt 😉).

Dieser dezentrale Ansatz findet immer mehr Eingang in die verschiedensten Open-Source-Plattformen und löst zugleich ein weiteres Problem: Bei Diensten wie Facebook, Google+, Whatsapp und Anderen ist man mehr oder weniger an die spezifische Herstellersoftware gebunden. Als Nutzer_in gibt es kaum Möglichkeiten sich die Funktionen und das Aussehen selbst zusammenzustellen oder gar auf alternative Produkte auszuweichen. Nach einem Wechsel der Plattform sind bei den marktbeherrschenden Diensten auch alle dortigen Kontakte verloren.

Bereits in den Anfangstagen des Internets wurden die Grundlagen für eine dezentrale Vernetzung und Freiheit bezüglich der konkret eingesetzten Software gelegt: Jede_r kann für sich selbst entscheiden, welches E-Mail-Programm man nutzen möchte, mit welchem Webbrowser man sich auf Websites bewegt oder über welche Anwendung man an den Chats im IRC teilnimmt. Abgeschlossene Plattformen mit festem „App-Ökosystem“ sind daher eher eine Entwicklung aus kommerziellen Interessen heraus.

 

Open Source to the rescue! Friendica, Diaspora, Hubzilla und andere

Mittlerweile gibt es mehrere freie Entwicklungen, die die Nachfolge von Facebook & Co. antreten wollen. Seit 2010 wird das Projekt »Diaspora*« vorangetrieben, für das sich aktuell ungefähr 650.000 Nutzer_innen eingeschrieben haben. Die verteilten Server, „Pods“, laufen auf der Computersprache Ruby. Da dies auf günstigen Webhostings eher nicht verfügbar ist, kann man sich alternativ »Friendi.ca« und »Hubzilla« ansehen. Diaspora verfügt derzeit als einziges der genannten Projekte auch über eine deutschsprachige (Erklär-)Website.

Die Vorteile der freien Wahl der Plattform, die aufgrund der Föderation auch mit den anderen Plattformen in Austausch treten kann, sind zugleich gelegentlich auch deren Nachteil: Jedes Softwareprojekt hat seine Stärken und Schwächen. Während möglicherweise bei einem der Projekte die Erweiterbarkeit durch jederzeit neue Plugins im Vordergrund steht, verlegt sich das andere vielleicht auf besondere Freiheiten für nomadische Profile.

Diaspora* ist zwar durch seine Crowdfunding-Kampagne vor wenigen Jahren stark in den Medien sichtbar gewesen; das bedeutet aber nicht, dass die „stilleren“ Projekte weniger leisten. Friendi.ca ist beispielsweise auch mit dem Hintergedanken ins Leben gerufen worden, dass Neuigkeiten und Informationen aus anderen Social Networks dort mit abgeholt werden können: Der eigene Umstieg auf Friendi.ca sollte also die bestehenden Kontakte in anderen Netzwerken weiter sichtbar und verfügbar halten. Dass Facebook & Co diese Öffnungsbestreben kritisch beäugen und teilweise aktiv bekämpfen, ist dabei leider auch nicht überraschend. »Hubzilla« wird des Öfteren als „eierlegende Wollmilchsau“ beschrieben, da auch Cloud-Funktionen wie Dateiablagen oder Netzwerkordner hier funktionieren. Allerdings fühlt man sich anfangs auf der Plattform ziemlich allein, da eine Pinnwand wie in anderen Netzwerken zuerst einmal fehlt. Insgesamt sind alle Aussagen über die eine oder andere Plattform auch relativ: Die Software-Projekte entwickeln sich aktiv weiter und lernen voneinander. Fehlende Funktionen werden nachgereicht, bestehende bekommen zusätzliche Verbesserungen.

Ebenfalls nicht ganz einheitlich ist die Benennung von eigentlich den selben Dingen: Während die verteilten Server bei Diaspora* als „Pods“ bezeichnet werden, nennt sie die freie Twitter-Alternative aus Jena, »Mastodon«, ganz technisch einfach „Instanzen“. (Eine Einführung zu Mastodon findet sich bei bento.)

Recht schnell zu verstehen ist das ebenfalls frei verfügbare »Humhub«. Es verfolgt zwar keinen föderierten Ansatz, sondern ist eher als „Social Intranet“ zu verstehen. Die Serveranforderungen sind ebenfalls nicht allzu hoch: Humhub kann ebenso wie Hubzilla oder Friendi.ca schon auf einem einfachen Webhosting installiert und durch Erweiterungen im Funktionsumfang aufgepimpt werden. Allerdings stößt man dabei derzeit noch schnell an funktionale Grenzen, wenn man von weiteren Anwendungen auf Kalender oder Kontakte zugreifen wollte. Erst eine kostenpflichtige „Enterprise Edition“ ergänzt fehlende Möglichkeiten.

Wem der konkrete Einstieg in eigene Server und föderierte Plattformen noch etwas zu kompliziert erscheint, kann sich auch bei nicht-gewinnorientierten, genossenschaftlich organisierten Social-Media-Plattformen registrieren. Eine davon ist die in Berlin angesiedelte Community von »Wechange.de«. Hier liegt der Fokus aber deutlich auf Vernetzung von thematisch aufgestellten Gruppen. Immerhin über 17.000 engagierte Personen tummeln sich mittlerweile auf dieser Plattform.

 

Dateien austauschen, Projekte managen: Nextcloud / Owncloud

Auf ein föderiertes Konzept setzen auch die populären „Clouds zum Eigenbau“, Nextcloud und sein Ahn Owncloud. Beide stellen in der fast überall zu betreibendenen Grundausstattung einen praktischen Ersatz für Dateiaustausch-Dienste wie Dropbox oder Google Drive dar und sind mit allen Arten von Betriebssystemen nutzbar. Sie können durch eigene oder zentrale Plugins erweitert werden, so dass auch ein selbst verwalteter Terminfinder (wie Doodle), Videotelefonate (Skype, Hangouts, Facetime) oder Projektmanagement-Werkzeuge zur Verfügung stehen.

 

Der Einstieg in diese neue Welt der eigenen Social-Media-Föderation ist nicht ganz leicht. Eine gewisse Lernkurve muss man in Kauf nehmen. Aber es lohnt sich!

Tool-Tipp: Emojis auch auf dem Desktop-PC benutzen 👍

Aus der digitalen Kommunikation sind sie heutzutage kaum mehr wegzudenken: Die »Emojis«. Was vor einigen Jahren noch recht rudimentär mit dem Smiley-Emoticon 🙂 begann, hat sich, beflügelt durch mobile Messenger-Dienste, beinahe explosionsartig weiter entwickelt. Und der aus dem Japanisch stammende Ausdruck »Emoji« für „Bildschriftzeichen“ ist mittlerweile schon fast Allgemeingut.

Um so ärgerlicher ist die Kommunikationsbarriere zwischen Smartphones und Desktop-PC oder Notebooks: Die Eingabe von Emojis ist bei Letzteren sehr viel komplizierter als auf dem Smartphone. Gegen eine reine Eingabe über die Tastatur spricht, dass mittlerweile viel zu viele Emojis existieren und dass das System seit der Einführung von geschlechterspezifischen und hautfarbe-wiederspiegelnden Zeichen noch deutlich komplexer wurde. In manchen Programmen oder Onlinediensten können Emojis eingefügt werden durch führende und schließende Doppelpunkte und dem entsprechenden Titel dazwischen. Aber auch das ist zu kompliziert, wenn sich man Beispiele wie :heart_eyes: für 😍 oder :stuck_out_tongue_winking_eye: für 😜 merken soll.

Zum Glück ist Hilfe nah: Kleine Programme, die das Auffinden und Verwenden der richtigen Emojis deutlich erleichtern. Eines dieser Helferlein wollen wir heute vorstellen: Der frei verfügbare Emoji-Helper »Emoji Cheatsheet«. Als kleines Add-on kann es in den verschiedenen Browsern (Mozilla Firefox, Google Chrome, Opera und Apple Safari) installiert werden oder ganz neutral als sogenanntes „Bookmarklet“ genutzt werden. Künftig findet man die gesuchten Zeichen ganz bequem dank der Übersicht, die man aus Messenger-Diensten kennt. Per Copy & Paste kann das gewünschte Emoji dann herauskopiert und an beliebiger Stelle im Browser oder auch in anderen Programmen eingefügt werden.

Der Emoji-Helper »Emoji Cheatsheet« wird offen auf Github entwickelt und kann frei heruntergeladen und verwendet werden. Weitere Infos unter http://johannh.me/emoji-helper/

Tool-Tipp: Mit »DeepL Translator« gut verständlich übersetzen

Zwar ist es schon eine Weile her, als automatische Übersetzungsdienste „Bill Clinton“ noch falsch als „Rechnung Clinton“ ins Deutsche übertrugen, von Perfektion sind die bekannten Übersetzer von Google und Microsoft Bing trotzdem noch weit entfernt.

Das neue Angebot des in Deutschland beheimateten Unternehmens DeepL, das auch das bekannte Onlinewörterbuch Linguee betreibt, setzt nun auf neuronale Netzwerke und bietet einen komfortablen und sehr hochwertigen, automatischen Übersetzungsdienst an: Der kostenlose »DeepL Translator« ist erreichbar unter https://www.deepl.com/translator.

Unsere stichprobenartigen Tests ergaben, dass auch Texte mit Jugendarbeitsbezug gut lesbar in verschiedene Sprachen übertragen wurden. Sicherlich ist die automatische Übersetzung noch deutlich von einer muttersprachlichen Übersetzung zu unterscheiden, allerdings blieben die geprüften Textbeispiele im Gegensatz zu anderen Diensten gut verständlich. Falsch übersetzte Begriffe stellen bei DeepL ebenfalls kein Problem dar: Einfach auf ein falsch übersetztes Wort klicken und schon erhält man vom System mehrere Alternativvorschläge zur Auswahl.

Datenschutz: Wie bei allen kostenlos zur Verfügung stehenden Diensten im Netz muss man sich bewusst sein, dass die übertragenen Daten (also eure Texte) auf einem euch nicht bekannten Server verarbeitet und dort gespeichert werden können.

Bisher sind die Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch, Polnisch und Spanisch verfügbar. Im Zweifelsfall muss die Ausgangssprache nicht ausgewählt werden, sondern wird automatisch erkannt. Als weitere Sprachen angekündigt sind bereits Portugiesisch, Russisch, Japanisch und Mandarin.

VotAR: Farbig-analoge Abstimmung trifft auf digitale Auszählung

Demokratische Entscheidungsfindung in großen Gruppen ist oftmals eine langwierige Angelegenheit. Besonders Gremiensitzungen und Konferenzen sind eher nicht bekannt dafür, dass Abstimmungen unterhaltsam sind: JA- und NEIN-Stimmen müssen ausgezählt, Enthaltungen berücksichtigt werden – und ja nicht vergessen die Arme mit der Stimmkarte deutlich nach oben zu strecken, dass man auch wirklich mitgezählt wird.

Und da kommt »VotAR« ins Spiel: Mit der Unterstützung von vierfarbigen Stimmkarten und dieser kleinen App können Abstimmungen deutlich entspannter durchgeführt werden. Es funktioniert recht einfach: Je nachdem, welche der bunten Farbflächen man nach oben hält, ist damit eine andere Aussage getroffen: Ja, Nein, Enthaltung, oder Option A-B-C-D können also zugleich abgestimmt werden. Die App »VotAR« schießt ein Foto der Versammlung und zählt sofort die Stimmen aus. Die Daten werden nur auf dem Gerät verarbeitet – eine Internetverbindung ist nicht notwendig.

Foto: VotAR-Beispielnutzung im DBJR

In der DBJR-Geschäftsstelle wurde VotAR auch schon getestet.

VotAR ist eine freie Anwendung für das Android-Betriebssystem. Es ist erhältlich über Google Play und über den freien, sehr auf Datenschutz bedachten App-Store F-Droid.

Der Programmierer betreibt unter https://libre-innovation.org eine englisch-französische Website zu VotAR. Wir haben für euch die Stimmkarten übersetzt und mit einer Hilfe ergänzt. Ihr könnt die Stimmkarten hier als PDF herunterladen: VotAR-Stimmkarte (deutsch).

Tool-Tipp: Große Dateien versenden mit send.firefox.com

Kurz mal einen Videoclip vom letzten Projektwochenende verschicken oder Druckvorlagen an eine Agentur schicken? E-Mail eignet sich leider für große Dateien nicht, so dass oft der Weg über Clouddienste wie Dropbox oder Google Drive gewählt wird. Diese Dienste sind allerdings nicht nur datenschutztechnisch umstritten (siehe z.B. hier und hier), auch setzen sie stets auch einen festen Nutzeraccount voraus.
Die gemeinnützige Mozilla-Stiftung, die allgemein vor allem durch Entwicklung des Firefox-Browsers und Thunderbird-Mailprogramms bekannt ist, bietet im Rahmen ihrer „Experiments“ einen neuen Dienst im Testbetrieb an: Dateien bis 1 GB Größe können ohne vorherige Anmeldung direkt übers Netz verschickt werden.

Dazu begibt man sich auf send.firefox.com, schiebt per Drag & Drop die zu versendende Datei in den Browser und und erhält einen bis zu 24 Stunden lang gültigen Link, der nur noch an den/die Empfänger_in weitergeleitet werden muss. Danach werden die Dateien wieder automatisch gelöscht.

Screenshot send.firefox.com

Die übersichtliche Seite send.firefox.com ist auch auf Deutsch verfügbar

Datenschutz: Die Dateien werden auf Servern der Mozilla-Stiftung bis zum Abruf durch den/die Empfänger_in zwischengespeichert. Theoretisch könnte die Stiftung oder Andere, die euren Link unbefugt erhalten, auf die Dateien zugreifen. Um die zu versendende Datei zusätzlich abzusichern, kann man sie vor dem Upload z.B. über ein populäres, sicheres Packprogramm wie 7zip in ein passwortgeschütztes ZIP oder 7z-Archiv packen. Das Vorgehen über ein ZIP-Paket bietet sich auch an, wenn ihr auf einen Schwung viele Dateien (z.B. Fotos) versenden wollt.

Keine Datenschutzbedenken mehr: Selbst einen Send-Server betreiben

Die zugrundeliegende Software entwickelt Mozilla als Open-Source-Tool. Die Entwicklung erfolgt offen zugänglich über Github (https://github.com/mozilla/send). Dort findet sich auch eine Erklärung, wie man selbst einen Send-Server aufbauen und für eigene Bedarfe in einem Projekt oder der eigenen Organisation betreiben kann.